Männer nehmen Depressionen anders wahr

Die allgemeinen Symptome einer Depression – Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und negative Gedanken – sind bei Frauen und Männern gleichermaßen erkennbar. Männer tendieren bei Depressionen jedoch hin zu einer verstärkten Aggressivität. Sie fühlen sich unwohl, sind verärgert und äußerst gereizt. Männer neigen in solchen Situationen oft zu übertriebenen Handlungen, rasten wegen Kleinigkeiten aus, um anschließend ihre Taten wiederum zu bereuen. Wie kann solchen Menschen geholfen werden?

Wer derartige Stimmungsschwankungen bei sich beobachtet, sollte also überlegen, ob es sich nicht um eine schleichende Depression handelt. Männer leiden dann unter richtigen „Ärger-Attacken“. Nicht nur andere Personen, sondern vor allem auch die Betroffenen selbst empfinden ihr Verhalten dann als unpassend und übertrieben. Trotzdem können sie sich kaum dagegen wehren. Kurz vor einer solchen Attacke beginnt das Herz, schneller zu schlagen. Es kommt zu Herzrasen, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühlen sowie Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Kann der Arzt keine körperlichen Ursachen finden oder tritt nach einer Therapie keine Besserung ein, so muss die Diagnose ‚Depression‘ in Betracht gezogen werden.

Depression, Quelle: www.pixabay.com (Public Commons Licence)
Depression, Quelle: www.pixabay.com (Public Commons Licence)

Eine Depression kann sich bei Männern äußern durch:

– schnelles Aufbrausen (niedrige Impulskontrolle)
– Verstimmung und Reizbarkeit
– Neigung zu nachtragendem Verhalten
– Neigung zu Vorwürfen
– unbändiger Ärger und Wutanfälle
– hohe Risikobereitschaft
– niedrige Stresstoleranz
– hohe Bereitschaft, Straftaten zu begehen
– unangepasstes Sozialverhalten
– übermäßiger Verzehr von Alkohol und Nikotin
– Niedergeschlagenheit
– allgemeine Unzufriedenheit mit sich und der Welt
– Traurigkeit, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt
– Schlaflosigkeit
– Antriebslosigkeit
– Verlust von Interessen
– Schuldgefühle
– Versagensängste
– Schmerzen ohne vorliegende körperliche Ursachen
– Suizidgedanken

Selbstmord wegen Depressionen

Eine Depression muss nicht lebensgefährlich sein. In einigen Fällen ist sie es aber. Etwa 15 Prozent der Erkrankten nehmen sich früher oder später das Leben. Obwohl Suizide unter den Geschlechtern gleichermaßen oft vorkommen, so unternehmen Männer zwei Mal so häufig einen „gelungenen“ Versuch. Damit ist die Erkrankung bei ihnen doppelt so gefährlich. Denn bei einem Suizidversuch gehen sie ebenfalls aggressiver vor als Frauen. Zu den häufigsten Suizidversuchen gehören Verkehrsunfälle. Hier wird vielfach von den sogenannten Geisterfahrern berichtet. Natürlich ist nicht jeder Geisterfahrer ein Mensch mit Selbstmordgedanken. Doch einige depressive Männer wählen eben genau diesen Weg, um sich das Leben zu nehmen.

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Das Problem: Männern fällt es sehr viel schwerer als Frauen, über ihre Probleme und die Depression zu reden. Sie schieben wegen der sozialen und psychischen Probleme dann körperliche Beschwerden wie Müdigkeit oder Schlaflosigkeit vor. Nur ein geschulter, sensibler Arzt erkennt dahinter eine (maskierte) Depression. Ohne gezieltes Nachfragen ist diese kaum zu erkennen.

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass viele Behandlungen frühzeitig abgebrochen werden. Der Grund: Männer kommen nicht damit zurecht, dass psychische Erkrankungen und das damit unkontrollierte Verhalten als Schwäche ausgelegt werden. Sie akzeptieren die Diagnose ‚Depressionen‘ deshalb häufig nicht oder brechen Behandlungen zu früh ab. Die Folge sind schwere Rückfälle.

Wie können Depressionen bei Männern behandelt werden?

Die Behandlung einer Männerdepression kann sich aus einer Psychotherapie und der Einnahme von Medikamenten zusammensetzen. Einige der sogenannten Psychopharmaka (Medikamente gegen psychische Störungen) sind Spiegelpräparate, d. h. sie erreichen ihren Wirkstoffspiegel erst nach einigen Wochen.

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Vorsicht vor einer „Selbstmedikation“ mithilfe von Alkohol. Wer Medikamente einnimmt, sollte auf Alkohol möglichst ganz verzichten. Folgende Probleme können sonst auftreten:

– Alkohol wirkt durch Medikamente stärker
– die Wirkung der Medikamente wird aufgehoben
– die Nebenwirkungen treten stärker auf, z. B. Müdigkeit oder Aggressivität

Wer Psychopharmaka lebenslang neben muss, z. B. bei Borderline, Angststörungen oder Schizophrenie, der sollte gänzlich auf Alkohol verzichten. Wichtig ist, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen werden.

Über Depressionen bei Frauen erfahren Sie mehr in unserem gesonderten Beitrag.

In diesem Video zur Depression ist diese Krankheit kurz und präzise erklärt.

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